veröffentlicht am 20. Juni 2016 in Allgemein von

Gaming PC gebraucht kaufen – Schnäppchen oder Risiko?

Bei einigen Artikeln ist es üblich, sie gebraucht zu kaufen. Bei PKWs beispielsweise.  Hier gibt es klare Anhaltspunkte, nach welchen Kriterien die Preise entstehen und wo die Probleme liegen könnten. Bei anderen Artikeln wiederum ist es eher unüblich (und nein, damit ist nicht das gute Dreilagige mit Blümchenmuster gemeint). Gebrauchte Gamer PCs werden zwar gehandelt – aber, wie alleine schon ein Blick auf Ebay zeigt, sind sie zahlenmäßig den neuen PCs deutlich unterlegen. Das hat seine Gründe.

Gebrauchtes PC Angebot. Zuschlagen?

Manchmal liest sich das verführerisch: Ein gebrauchter Gamer PC für einen Einstandspreis, der das Budget soweit entlastet, dass dabei noch genug Geld für eine halbe Tonne Tiefkühlpizza, ein paar Kästen Getränke nach Wahl und vielleicht sogar noch ein Festplattenupgrade drin wären. Aber jetzt heißt es: genau hinschauen! Einen Gamer PC gebraucht zu kaufen, ist nichts für Anfänger. Das Äußere soll jetzt erst einmal egal sein, dazu kommen wir später. Aber die inneren Werte sind enorm wichtig.

Da ist zuerst einmal der Zeitfaktor: Ganz überspitzt gesagt, könnte man auch einen alten Sockel-7 Rechner als gebrauchten Gamer PC bezeichnen. Aber das würde heute nicht einmal mehr genügen, um störungsfrei Google Chrome laufen zu lassen. Wenn das PC Angebot also einen Rechner beschreibt, der älter als drei oder vier Jahre ist, dann kann man ihn nur noch als (vermutlich lautstarken) Business-PC gebrauchen. Entsprechend niedrig sollte der Preis sein. Diesen Rechner aber als gebrauchten Gamer PC zu verkaufen, ist nahezu Etikettenschwindel. Wenn man einen Gamer PC gebraucht kaufen will, dann sollten ein paar Mindestkriterien erfüllt sein. Falls du noch nicht genau weisst, in welcher Range du dich bei deinem ganz persönlichen Gaming Pc zuordnen musst, dann besuche doch mal unsere Startseite und nutze unseren „Welcher Zockertyp“ bist du.

Der gebrauchte Gamer PC: die Hardware

Wenn man einen Gaming PC gebraucht ersteht, dann sollte man, wie oben erwähnt, aufpassen, dass man keine allzu alte Maschine ins Haus holt. Die Hardware, also vor allem die Grafikkarte und die CPU sollten es ermöglichen, die neusten Spiele mit eventuell leichten Abstrichen bei Detailgenauigkeit und Auflösung zu spielen. HDD-Größe und RAM sind dann nicht so wichtig, wenn die Preisdifferenz zu einem neuen Rechner so gewaltig ist, dass Upgrades problemlos möglich sind und man immer noch Geld übrig hat. Allzu großen Wert auf neuere Standards wie DDR4 allerdings sollte man nicht legen, wenn man einen Gamer PC gebraucht kaufen will, denn dann wird man nur fündig werden, wenn man PCs kauft, die erst kurze Zeit gelaufen sind.

Wenn man allerdings ein solches PC Angebot findet und der Preisabschlag erheblich ist, weil der Besitzer seinen Spielerechner verkaufen will, um mit dem Erlös auf die Osterinseln zu ziehen, dann sollte man daran denken, zuzuschlagen. Notverkäufe und Verkaufe umständehalber können sich richtig rentieren. Bleibt allerdings immer noch die Möglichkeit, dass der gebrauchte Gamer PC eine Gurke ist, die irgendwelche Fehler hat, die nur schwer zu finden sind. Das kann inkompatible Hardware sein, eine BIOS-Revision, die den Rechner instabil macht oder einfach nur schlechter Speicher. Dann ist nach dem Kauf Fehlersuche angesagt. Viel Vergnügen!

Zusammenfassend zur Hardware: Es muss nicht der Stand von heute sein. Der Stand von gestern reicht meist aus. Der von vorgestern ist nur noch als Spielerechner für Pacman zu gebrauchen. Wichtiger Tipp: Bevor man einen Gaming PC gebraucht kauft, sollte man beispielsweise auf Amazon nachsehen, ob man dieselbe Hardware nicht nagelneu für dasselbe Geld kaufen kann – und das mit Garantie und Support. Der Wertverlust etwas betagterer Hardware ist riesig. Und was vor zwei Jahren noch eine Stange Geld gekostet hat, ist heute ein Schnäppchen. Der Verkäufer muss, wenn er seinen Gamer PC gebraucht verkaufen will, den Neupreis vergleichbarer PC Angebote deutlich unterbieten. Selbst, wenn er damals dafür richtig tief in die Tasche greifen musste.

Gamer PC gebraucht kaufen – Leben an der Leistungsgrenze

Es hat seinen Grund, wenn sich jemand entschließt, seinen geliebten Gaming PC gebraucht zu verkaufen. Zumeist ist es die Anschaffung eines neuen Rechners. Das aber heißt im Klartext: Der alte Rechner war leistungsmäßig zu schwach. Nun ist die Sache meist so: Wenn die Leistung nicht mehr reicht, wird nicht sofort der PC verkauft, sondern es werden gezielte Tuning-Maßnahmen ergriffen. Das kann eine größere HDD sein, eine zusätzliche SSD, schnellere CPU oder Grafikkarte oder schlicht mehr Speicher. Das alles ist in Ordnung und wertet den Rechner auf. Irgendwann aber muss man an der Übertaktungsschraube drehen. Geschieht dies mit Maß und Ziel, ist alles ok. Hat es der Verkäufer des PC Angebots allerdings übertrieben, dann sind die Folgen nicht immer abschätzbar.  CPUs, RAM und GPUs, die Ewigkeiten außerhalb ihrer Spezifikation betrieben wurden, können manchmal zu seltsamen Fehlern neigen: unerklärliche Abstürze mit Bluescreens, geringeres Tempo, als eigentlich von der Hardware zu erwarten wäre, etc. Ein Blick in den Innenraum des gebrauchten Gamer PCs lohnt sich. Ist dort eine effektive Kühlung verbaut, die größer ist, als zu erwarten wäre, dann wurde der Rechner vermutlich übertaktet. Immerhin hat sich aber jemand Gedanken über den Wärmehaushalt gemacht: positiv. Schwieriger festzustellen ist allerdings, ob bei unveränderter Kühlung satt übertaktet wurde. Manchmal gibt ein Blick ins BIOS Aufschluss. Zumeist aber nicht, weil der Vorbesitzer wieder alles auf default gesetzt hat. Auch vorhandene Übertaktungstools, falls nicht gelöscht, zeigen, wie der Rechner betrieben wurde. Wenn man einen Gaming PC gebraucht kaufen möchte, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man eventuell eine totgeorgelte Gurke kauft. Indikatoren für schlechte Pflege und mangelnde Aufmerksamkeit sind beispielsweise verschmutzte Gehäusefilter, nachlässige Verkabelung bei Nachrüstungen und verdreckte Kühler. Dann sollte man vielleicht eher die Hände von dem PC Angebot lassen, das auf der ersten Blick so verlockend war.

Gaming PC gebraucht kaufen: Was sonst noch wichtig ist

PC-Komponenten altern. Das gilt in geringem Maße für die elektronischen Bauteile wie CPU und Speicher. Ganz besonders aber gilt es für HDDs. Die Lebensdauer der Drehscheiben ist begrenzt. Defekte Sektoren häufen sich und werden umgemappt, Schreib- und Lesefehler nehmen unbemerkt zu. HDDs sind thermisch empfindlich. Wer seinen Gaming PC zu heiß gefahren hat, kann der  Festplatte einen Schuss verpasst haben, der ihr weiteres Ableben erheblich beschleunigt. SSDs altern ebenfalls. Wenn auch hier die Erfahrungswerte geringer sind. Wenn der gebrauchte Gaming PC allerdings noch mit XP gelaufen sein sollte, kann man sich von der SSD möglicherweise sowieso in Kürze verabschieden, denn XP kennt keinen Algorithmus, der mit SSDs sachgemäß umgehen würde. Für beide, SSDs und HDDs, gibt es Software, die den Zustand der Datenträger analysiert. Weiteren Aufschluss über die Behandlung, welche der Vorgänger dem Rechner zuteilwerden hat lassen, gibt der äußere Zustand. Will man einen Gaming PC gebraucht kaufen, ist man gut beraten, darauf zu achten, ob der Rechner zerkratzt, verdreckt oder äußerlich abgenutzt erscheint. Oft spiegelt das den Umgang mit dem guten Stück wieder. Sinngemäß gilt dies auch für eventuell vorhandene Peripherie: Auch Monitor und Maus/Tastatur sollten in einem Zustand sein, der nicht gleich nach der Sagrotan-Flasche verlangt.

Die Kalkulation

Letztlich ist alles eine rechnerische Frage, wenn man einen Gamer PC gebraucht erwerben will: Man nehme die Summe der Teile, die eventuell ersetzt oder upgegradet werden müssten, dazu vielleicht noch Ausgaben für das Betriebssystem, wenn nicht vorhanden oder zu alt. Rechnet man diese dem Kaufpreis hinzu und bleibt dann immer noch etwa ein Viertel unter dem Preis eines vergleichbaren neuen Rechners, dann kann man überlegen, ob man das PC Angebot gebraucht kaufen möchte. Ein Restrisiko, das von keiner Garantie oder Gewährleistung getragen wird, bleibt allerdings.

UNSERE EMPFEHLUNG

* am 28.03.2017 um 17:47 Uhr aktualisiert

* am 28.03.2017 um 17:47 Uhr aktualisiert


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